Piero Manzoni, Living Sculptures, 1961

Vortrag: Piero Manzoni und Umberto Ecos "Das offene Kunstwerk"

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Piero Manzoni und Umberto Ecos Das offene Kunstwerk: Zwischen körperlicher Verdinglichung und dem Spektakel

Ein Vortrag von Lara Demori, Goethe-Institut Postdoctoral Fellow am Haus der Kunst und ebendort Forscherin zum Diskurs-Ausstellungskapitel "Postcolonial: 1955-1980" 

Das [Kunst]werk ist mehr als das Jahr seiner Entstehung, seine Vorläufer oder Interpretationen. Und in welcher Weise es 'mehr' ist, erklärt sich für gewöhnlich dann, wenn es um eine ausschlaggebende 'Öffnung' oder 'Mehrdeutigkeit' oder 'Pluri-Semiotizität' der Arbeit geht – was bedeutet, dass das Kunstwerk ein Kommunikationsmittel ist, das interpretiert und dann im Geist des Benutzers vervollständigt und ergänzt wird.  U. Eco

1962 veröffentlichte der Semiotiker und Schriftsteller Umberto Eco (Alessandria, 1932 – Mailand, 2016) das bahnbrechende Buch Das offene Kunstwerk, das ein hermeneutisches Modell für ein neues Verständnis des Kunst-Objekts vorstellte und damit sowohl in ästhetischer als auch in historischer Hinsicht wegweisende neue Perspektiven für partizipatorische Kunst eröffnete. Gleichzeitig erklärte der Künstler Piero Manzoni (Soncino, 1933 – Mailand, 1963) Betrachter zu Kunstwerken, indem er ihre Körper signierte oder sie auf 'magische' Sockel stellte. Damit schuf er eine neue, problematische, interaktive Dimension zwischen Urheber und Publikum.

Der Vortrag versucht Ecos ästhetisches Paradigma auf Piero Manzonis Lebende Skulpturen und Magische Sockel (beide 1961) anzuwenden. Betrachtet man Manzonis Arbeit durch die Linse von Ecos semiologischem Modell, entfaltet sich die Paradoxie in beiden Werkserien, da eine effektive Publikumsbeteiligung durch Aspekte einer Verdinglichung des Körpers und des Spektakels unterminiert wird. Die Anwendung von Ecos Theorie enthüllt die dystopische – aber konstruktive – und sarkastische Daseinsberechtigung, die Manzonis Kunst bestimmt.

Dr. Lara Demori, Goethe-Institut Fellow am Haus der Kunst, promovierte in Kunstgeschichte an der Universität Edinburgh mit einer Doktorarbeit über die Künstler Hélio Oiticica und Piero Manzoni. Hierin erforschte sie die Entstehung postmoderner Kunstpraxis aus einer transnationalen Perspektive und diskutierte die Wende von Repräsentation zu Performance Anfang der 1960er-Jahre. Sie hat Artikel und Buchkapitel veröffentlicht und an vielen internationalen Konferenzen teilgenommen.

Piero Manzoni, Living Sculptures, 1961
Piero Manzoni, Living Sculptures, 1961

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