Photo: Lawrence Carlos, Kilapsaw: The Delirium Sequence (80 mins), double exposure photograph, 2016. Documentation of the performance Kilapsaw: Everything Must Go (2016) by Noel Ed De Leon, Kulay Labitigan, Lawrence Carlos, London, 2016.

Vortrag von Patrick Flores und Performance von Noel Ed De Leon

Veranstaltung,


Informationen

Sprache
Veranstaltung auf Englisch
Laufzeit
Anmeldung
Anmeldung erforderlich
Eintritt
5 €


Übersicht aller Veranstaltungen

Die Veranstaltung findet statt in englischer Sprache.


18–19 Uhr
Performance
Noel Ed De Leon, Feast of the Predator

19–20 Uhr
Vortrag
Prof. Patrick Flores, To Demystify, Play, Manifest, and Take a Step Together: Annotations on the Performative Encounter in Southeast Asia

Noel Ed De Leon, Feast of the Predator (2019)

Feast of the Predator ist eine neue Performance des philippinischen Künstlers Noel Ed De Leon, die Vorstellungen von Macht, Konfrontation und Zeremonie untersucht. In den letzten zehn Jahren hat De Leon eine beeindruckende Performancepraxis entwickelt, die von seiner Sammelleidenschaft für antike und historische Objekte aus Großbritannien und den Philippinen geprägt ist. In seinen künstlerischen Arbeiten sind diese Objekte in konzeptionell reichhaltige Performances eingebunden, die den kulturellen und politischen Austausch zwischen Europa und Südostasien thematisieren. 

Mit Feast of the Predator hat De Leon ein ortsspezifisches Werk in Reaktion auf die Southeast Asia Performance Collection entwickelt. Darin greift er das Material Pelz auf, um ein Gespräch zwischen dem Haus der Kunst in München und Bautista, der Heimatstadt des Künstlers, in der Provinz Pangasinan auf den Philippinen, zu initiieren. Hier spielte Pelz in der Vergangenheit eine Schlüsselrolle als Symbol für Macht und Wohlstand sowie für ethnische und religiöse Zugehörigkeit. Pelz, der diesen sozialen und kulturellen Zuschreibungen unterliegt, symbolisiert jedoch auch räuberische Instinkte, das Engagement für Tierrechte, den Verlust biologischer Vielfalt und ökologische Zerstörung – Themen, die hochauktuell fuer die Philippinen sind. Die Performance kombiniert Sound und Installation, um die Rolle von Kleidung und Tarnung im Kontext von Dekolonialisierung und der Konstruktion nationaler Identität auf den Philippinen zu erkunden.

Noel Ed De Leon (*1976, Philippinen) arbeitet zwischen bildender und Performancekunst und beschäftigt sich vor allem mit Archivierung als künstlerischer Praxis, Installation, Kunst aus Gebrauchsgegenständen und gefundenen Objekten sowie Multimedia-Skulpturen. De Leons Arbeit untersucht Themen wie Gedächtnis, DNA, Erinnerung und das Kartieren geschichtlicher Einschreibungen in materielle Objekte. Er hat einen Abschluss in Architektur und ist ein begeisterter Sammler von Erinnerungsstücken und Originalartefakten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. De Leon realisierte Performances und Installationen im Rahmen der London Biennale (2014, 2016), in der A-Side B-Side Gallery in London (2016), der Joan Miró Foundation (2017), der Live Art Development Agency in London (2017) , Framer Framed, Amsterdam (2018), und entwickelt derzeit eine von Patrick Flores kuratierte Einzelausstellung im Jorge B. Vargas Museum und dem Filipiniana Research Center in Manila (2019).


Patrick D. Flores, Entmystifizieren, spielen, sichtbar werden und gemeinsam einen Schritt wagen: Anmerkungen zum Phänomen der performativen Begegnung in Südostasien

Dieser Vortrag soll einen Meinungsaustausch darüber initiieren, welche Tendenzen die Bedingungen für performative Begegnungen zwischen Künstlern und ihrem Publikum in Südostasien – insbesondere auf den Philippinen sowie in Singapur und Thailand – ermöglichen. Solche Begegnungen sind stets auch gekennzeichnet durch das Bestreben, sie dem Zugriff einer Kunstwelt zu entziehen, die unter dem ausgrenzenden Diktat der Bürokratie zu stehen scheint. Die performative Geste trägt somit dazu bei, Kunst durch Kritik, Spontaneität, Selbstinitiierung und kollektives Handeln in eine größere Lebenswelt zu entlassen. Allen Hindernissen zum Trotz gelingt es der Ausstellung als Projekt – sei es als Festival oder in Form einer Biennale –, durch die Lebendigkeit des Performativen neue Wirkungsweisen zu entwickeln.

Patrick D. Flores ist Professor für Kunstwissenschaft am Department of Art Studies der University of the Philippines, das er von 1997 bis 2003 leitete, und Kurator des Vargas Museums in Manila. Er gehörte zum Kurator*innenteam der Ausstellung Under Construction: New Dimensions in Asian Art (2000) sowie der Gwangju-Biennale (2008, Positionspapiere). 1999 war er Visiting Fellow an der National Gallery of Art in Washington, 2004 Asian Public Intellectuals Fellow. Seine Veröffentlichungen umfassen Painting History: Revisions in Philippine Colonial Art (1999), Remarkable Collection: Art, History, and the National Museum (2006) sowie Past Peripheral: Curation in Southeast Asia (2008). Flores war Stipendiat des Asian Cultural Council (2010), Mitglied des Advisory Board der Ausstellung The Global Contemporary: Art Worlds after 1989 (2011) am Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe und gehörte von 2011 bis 2014 dem Asian Art Council des Guggenheim Museums an. Gemeinsam mit Joan Kee verantwortete er die südostasiatische Ausgabe von Third Text (2011). 2013 organisierte Flores im Auftrag des Clark Institute und des Department of Art Studies der University of the Philippines die Konferenz „Histories of Art History in Southeast Asia“ in Manila. 2014 war er Gastwissenschaftler am Getty Research Institute in Los Angeles. Für die Biennale in Venedig kuratierte er 2015 die Ausstellung South by Southeast mit zeitgenössischer Kunst aus Südostasien und Südosteuropa sowie den philippinischen Pavillon. Flores ist künstlerischer Leiter der Singapur Biennale 2019.

Prof. Patrick Flores
Prof. Patrick Flores

Eine Veranstaltung in Kooperation mit