"Amaru's Tongue: Daughter"

Tune,


Informationen

Sprache
Tune auf Englisch
Laufzeit
Anmeldung
Anmeldung erforderlich
Eintritt
8 €, Kombiticket 15 €


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Performance Lecture: Chuquimamani-Condori (Elysia Crampton Chuquimia)

In dieser Veranstaltung präsentiert Chuquimamani-Condori (Elysia Crampton Chuquimia) Notizen zu Erinnerungen und mündlich überlieferten Geschichten, die sie zu ihrem neuen Werk Amaru’s Tongue: Daughter inspiriert haben.
Direkt vor der Performance-Lecture findet um 19 Uhr eine Filmvorführung statt. Der Film ist darüber hinaus vom 8. bis 16. Oktober in der Südgalerie zu sehen.

Der Film Amaru's Tongue: Daughter von Chuquimamani-Condori und Joshua Chuquimia Crampton ist eine Auftragsarbeit für das Haus der Kunst, in Ko-Produktion mit Auto Italia und dem Centre d’Art Contemporain in Genf. Er wird im Haus der Kunst uraufgeführt und gleichzeitig in London bei Auto Italia in der Frieze Week gezeigt.

Amaru's Tongue: Daughter wurde hautpsächlich auf 8-mm gedreht und ist mit einer von den Künstlern komponierten und gespielten Musik unterlegt. Es dreht sich um eine Zeremonie für ihre verstorbene Großmutter, Flora Tancara Quiñonez Chuquimia. Dem Projekt liegen die abolitionistischen Traditionen der Aymara-Nation in den Anden und die „Black radical tradition“ zugrunde. Der Film zeugt so von verschiedenen Raumzeiten und Vorstellungsweisen als „abolitionistische Geografien“ („abolitionist geographies“, Ruthie Wilson Gilmore, 2017).

Joshua Chuquimia Crampton: For Supay

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Amaru's Tongue: Daughter zeigt zu Beginn eine Reihe von unterschiedlichen Anfängen, die zusammen auf die Erfahrung der Zeit als nicht-linear hindeuten, welche auf Aymara qhipnayra genannt wird: die Vergangenheit liege vor und die Zukunft hinter uns. Im Laufe des Films werden Audio- und Videoaufnahmen aus dem Archiv miteinander verwoben. Die Großmutter Flora trifft auf einen Hund, einen Kondor und einen Kolibri, welche in den aymaranischen Traditionen zentrale Figuren des drei Jahre andauernden Übergangs in den Tod sind. Floras jüngere Schwester, die Großtante der Künstler*innen, Mercedes Tancara Quiñonez Montevilla, und ihre Mutter, Fanny Tancara Chuquimia Crampton, sind die Erzählerinnen des Films. Sie geben Bräuche und mündliche Überlieferung weiter, und lesen aus einem der ersten Aymara-Chronisten, Joan de Santa Cruz Pachacuti Yamqui, vor. Floras Sprachaufnahmen werden von einer Silikonfigur wiedergegeben, die nach ihrem Ebenbild gefertigt ist. Die Gesichtszüge der Figur gleichen auch denen der Urgroßmutter Juana Tancara Montevilla, der Ururgroßmutter Rosa Tancara Quiñonez und den Emblemen der Göttin und Erdmutter Pachamama (pacha – Raumzeit, mama – Großmutter).

Amaru's Tongue: Daughter knüpft an die Tradition der mündlichen Überlieferung der aymarischen Abolitionisten an. Durch den märchenhaften Erzählton wird der Film zu einer „Einladung zum Anderssein“ („invitation to otherwise“, Eva Hayward und Che Gossett). Der Film kartografiert abolitionistische Geografien („abolitionist geographies“, Ruthie Wilson Gilmore) aus der Annahme heraus, dass wir untrennbar mit der Erdmutter Pachamama, dem Wasser, dem Meer verbunden sind, und mit dem See als klaffender Wunde, was der Chronist Pachacuti Yamqui mamacocha nannte – das „Nirgendwo“, die Heimat, die „kein Ort“ ist.