Mariechen Danz: Knot in Arrow: Ore Oral Orientation, 2017 Performance, Viva Arte Viva, curated by Christine Macel, 57. Biennale di Venezia (film still) Courtesy Mariechen Danz

Blind Faith: Dis/Embodied Realities

Symposium,


Informationen

Sprache
Symposium auf Englisch
Laufzeit
Anmeldung
Anmeldung nicht erforderlich
Eintritt
5 €


Übersicht aller Veranstaltungen

Dis/Embodied Realities [Ent-/ verkörperlichte Realitäten]  
Mit Brooke A. Holmes, Mariechen Danz und Ed Atkins 
Moderiert von Charles T. Wolfe

Programm

13 Uhr  
Begrüßung und Einführung: Anna Schneider

13.20 Uhr 
Performance Knot in Arrow: Ideographic Insulation   
Mariechen Danz, Künstlerin (Berlin) 
Mit Ronel Doual und Benjamin Kühni. Musik von Gediminas Žygus & UNMAP

14.30 Uhr
Vortrag “All Perceptions are true."
Brooke A. Holmes, Robert F. Goheen Professor in the Humanities, Professor of Classics (Princeton University) 

16 Uhr 
Künstlervortrag und Q & A
Ed Atkins, Künstler (Berlin) 

17 Uhr 
Panel Diskussion 
Brooke A. Holmes,
Mariechen Danz und Ed Atkins, moderiert von Charles T. Wolfe, Wissenschaftler im Department of Philosophy and Moral Sciences (Ghent University)

Dis/Embodied Realities [Ent-/ verkörperlichte Realitäten]
In einer Gesellschaft, in der Informationenmassen, fundiert oder fake, andauernd über unzählige immaterielle Kanäle verbreitet werden, bekommen die Materialität des menschlichen Körpers und die instinktive Unmittelbarkeit seiner Bedürfnisse größere Bedeutung.

Die Ausstellung “Blind Faith: Zeitgenössische Kunst zwischen Intuition und Reflexion” vereint eine Reihe jüngerer internationaler Künstlerinnen und Künstler, die diese Affirmation des Körpers als Resonanzraum für politische und gesellschaftliche Wirklichkeiten kritisch untersuchen. Für sie ist der Körper nicht nur Objekt, Metapher oder Forschungsfeld, sondern gleichzeitig auch Arbeitsmaterial im wörtlichsten Sinne: Fragmentierte Anatomie und sinnliche Erfahrung. Methoden körperlicher Betonung und performative Ausdrucksweisen sind die Triebkräfte ihrer Erforschung von Realitätsvorstellungen in einer "postfaktischen" Zeit.

Das eintägige Symposium “Dis/Embodied Realities”, das im Rahmen der Ausstellung veranstaltet wird, geht in interdisziplinärer Weise der Frage nach, wie historische und heutige Lesarten des Körpers unsere Wahrnehmung der uns umgebenden Welt prägen und Modelle der Subjektivität beeinflussen. Brooke Holmes, Professorin für klassische Philologie an der Princeton University, wird den Hauptvortrag halten, der die Rolle des Körpers seit der Antike umreißt und dabei die wichtigen Wandlungen herausstellt, die unser Verständnis des menschlichen Körpers in Bezug zur nicht-menschlichen Welt durchlaufen hat. Diese Präsentation bildet den theoretisch-philosophischen Hintergrund für Beiträge der KünstlerInnen Mariechen Danz und Ed Atkins. Die Performance Knot in Arrow: Ideographic Insulation (2018) ist die letzte Ausgabe von Mariechen Danz’ performativer Arbeit, in der sie erneut die Grenzen menschlichen Begriffsvermögens testet. Danz nimmt ein "Unmap" der fehlerhaften Momente des kanonischen Wissenstransfers vor und wendet sich stattdessen nachgeordneten Formen des Verstehens zu, besonders solchen, die auf dem Körper und seinen Organen als Quellen eines alternativen Narrativs menschlicher Erfahrung basieren. Abschließend verortet ein Vortrag des Künstlers Ed Atkins dessen Arbeit mit animierten und gleichsam existenziell gezeichneten Avatar-Figuren im Kontext unserer heutigen Wahrnehmung von Körpern als durch Digitaltechnologie vermittelte Phänomene. Besondere Aufmerksamkeit widmet Atkins der in der Ausstellung gezeigten Arbeit Safe Conduct (2016). Eine von Charles T. Wolfe moderierte Podiumsdiskussion aller TeilnehmerInnen schließt das Symposium ab.


Ed Atkins (*1982, Oxford, Großbritannien) ist Videokünstler, schreibt und zeichnet. Er entwickelt einen komplexen und bilderreichen Diskurs um Definition, wobei die Unmöglichkeiten ausreichender Repräsentationen der physischen, besonders der körperlichen Welt – von computergenerierten Bildern bis zu klischeehafter Poesie – in hochkomischer Weise geprobt werden. Er studierte von 2007 bis 2009 an der Slade School of Fine Art in London. Er nahm an vielen Gruppenausstellungen in internationalen Galerien und Institutionen teil, darunter das Nykytaiteen museo Kiasma in Helsinki, das Castello di Rivoli Museo d’Arte Contemporanea in Turin, das New Museum in New York, das Moderna Museet in Stockholm und die Serpentine Galleries in London. Atkins hatte Einzelausstellungen im MMK in Frankfurt, im Palais de Tokyo in Paris, im MoMA PS1 in New York, in der Tate Britain in London und im Martin-Gropius-Bau in Berlin. Atkins lebt und arbeitet in Berlin. 

Mariechen Danz (*1980, Dublin, Irland) studierte an der Kunstakademie Berlin, an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam und am California Institute of the Arts (CalArts) in Los Angeles County, wo sie 2008 ihre Studien mit dem MA in Art & Integrated Media abschloss. Danz hatte Soloausstellungen in der GAK– Gesellschaft für aktuelle Kunst in Bremen, im CAN Centre d’Art Neuchatel und im Kunstverein Göttingen. Sie nahm auch an zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen teil, etwa im Palais de Tokyo in Paris, im Kunsthaus Bregenz, im New Museum in New York, bei High Line Art, New York, im Centre Pompidou in Paris und auf der 57. Biennale von Venedig, “Viva Arte Viva” (2017).

Brooke A. Holmes ist Komparatistin, Hellenistin und Begriffshistorikerin. Sie ist Robert F. Goheen Professorin der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Princeton University, wo sie auch das interdisziplinäre Doktorandenprogramm im Netzwerk The Humanities and the Postclassicisms leitet. Sie ist Autorin von The Symptom and the Subject: The Emergence of the Physical Body in Ancient Greece (2010), Gender: Antiquity and its Legacy (2012) sowie von zahlreichen Artikeln über Medizin in der Antike, Naturwissenschaften und -philosophie, die Geschichte des Materialismus, griechische Literatur, besonders die Tragödie, und die Rezeption griechischer Philosophie im zwanzigsten Jahrhundert. Ihr jüngstes Projekt ist die kollaborative Buch-Ausstellung Liquid Antiquity (2017) im Auftrag der DESTE Foundation for Contemporary Art, ergänzt durch die Videoinstallation Liquid Antiquity: Conversations, gestaltet von Diller Scofidio + Renfro, die zuerst im Benaki Museum in Athen installiert war  und 2018 nach London reist. Derzeit arbeitet Holmes an einem Buch über Mitgefühl und das Naturkonzept in der griechisch-römischen Antike.

Charles T. Wolfe ist Wissenschaftler im Department of Philosophy and Moral Sciences der Universität Ghent. Im Zentrum seiner Arbeit stehen Geschichte und Philosophie der frühmodernen Biowissenschaften mit Schwerpunkt auf Materialismus und Vitalismus. Er ist Autor von Materialism: A Historico-Philosophical Introduction (2016) und der Monographie La philosophie de la biologie: une histoire du vitalisme. Zu den Büchern, die er herausgab, zählen Monsters and Philosophy (2005), The Body as Object and Instrument of Knowledge (2010, mit O. Gal), Vitalism and the scientific image in post-Enlightenment life-science (2013, mit S. Normandin), Brain Theory (2014), sowie Physique de l’esprit (mit J.C. Dupont, 2018). Er ist Mitherausgeber der Springer-Serien in Geschichte, Philosophie und Theorie der Biowissenschaften. Aufsätze und andere Arbeiten sind erhältlich unter http://ugent.academia.edu/Char...  


Mariechen Danz: Knot in Arrow: Ore Oral Orientation, 2017 Performance, Viva Arte Viva, curated by Christine Macel, 57. Biennale di Venezia (film still) Courtesy Mariechen Danz
Mariechen Danz: Knot in Arrow: Ore Oral Orientation, 2017 Performance, Viva Arte Viva, curated by Christine Macel, 57. Biennale di Venezia (film still) Courtesy Mariechen Danz
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Performance von Mariechen Danz: "Knot in Arrow: Ideographic Insulation" -