Größe als politisches Werkzeug: Louise Bourgeois' "Zellen" als Lebensstil

21.05.15

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Zellen sind Mikro-Organismen: Bourgeois' "Zellen" sind bewohnbare Räume oder deren Repräsentationen. Zwischen der Unsichtbarkeit des Mikroskopischen und der unerträglichen Größe des Makroskopischen, bieten die "Zellen" einen Blick auf die Welt an, der diese zwei Größenextreme miteinander in Einklang bringt. Dabei stellen diese Arbeiten, die Skulptur und Architektur verbinden, auch die Position des Betrachters als außerhalb des Werkes in Frage: beurteilend, indifferent oder bewundernd, aber niemals beteiligt. Da die Arbeiten betreten werden können, oder zumindest den Wunsch dazu erwecken, erhalten die "Zellen" auch eine bewegende Qualität. Diese drei Arten, gegen die kunsthistorische Etikette zu verstoßen, wurden für die nachfolgenden Generationen von Künstlerinnen und Künstlern zur Inspiration.

Mieke Bal hingegen interessiert weniger das Konzept künstlerischen Einflusses als vielmehr die Idee einer Verwandtschaft unter Beibehaltung der Unterschiedlichkeiten: Sie betrachtet die Schattenspiele der indischen Künstlerin Nalini Malani als Beispiele einer Kunst, die zwar teilweise von Bourgeois' "Zellen" inspiriert und mit ihnen verwandt, dabei aber auch völlig anders geartet ist. Bal stellt eine Methodologie des Vergleichs vor, welche die Unterschiedlichkeit betont. Eine Künstlerin kann nicht einer anderen Künstlerin "nachfolgen"; das würde ihre Kunst formalistisch und sekundär machen. Sie kann jedoch in einen Dialog mit einer Vorgängerin oder einem Vorgänger eintreten, der sowohl eine Gemeinschaft des künstlerischen Denkens schafft als auch den Blick für die jeweiligen Qualitäten aller an dem Dialog Beteiligten schärft.

Mieke Bal ist Kulturtheoretikerin, Kritikerin und Videokünstlerin. Ihre Interessen reichen vom 17.  Jahrhundert bis zu zeitgenössischer Kunst und moderner Literatur, Feminismus, Migrationskultur, psychischer Krankheit und Kapitalismuskritik. Sie hat die Bücher "Of What One Cannot Speak" (2010) and "A Mieke Bal Reader" (2006) veröffentlicht. "Madame B", ihre gemeinsam mit Michelle Williams Gamaker entstandene Serie von Videoinstallationen, ist derzeit international auf Tour.


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