Sophie Halart

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Über

Nachdem sie ihr Studium der Kunstgeschichte am University College London mit der Promotion abgeschlossen hatte, wurde Dr. Sophie Halart im März 2018 zum FONDECYT Postdoctoral Fellow an der Universidad Alberto Hurtado in Santiago, Chile ernannt. In ihrer Doktorarbeit Epidermal Aesthetics: Skin and the Feminine in Argentine and Chilean Contemporary Art (1973- present) untersuchte sie die Produktion argentinischer und chilenischer KünstlerInnen von den 1970er-Jahren bis heute. Indem Halart – sowohl materiell wie symbolisch – die Oberflächen ihrer Arbeiten erforschte, identifizierte sie die Existenz einer "epidermalen Ästhetik" und richtete dabei ihr Augenmerk besonders auf den Topos der Haut als Schauplatz des Widerstands und der Selbstbestimmtheit. Sie war Mitherausgeberin des Buches Sabotage Art: Politics and Iconoclasm in Contemporary Latin America (I.B. Tauris, 2016). Ihr derzeitiges Postdoc-Forschungsprojekt untersucht die Diskussion zwischen dem Mütterlichen und der Materialität in der zeitgenössischen chilenischen Kunst.

ABSTRACT

"Mater chilensis: Für eine neue Betrachtung der chilenischen Neo-Avantgarde aus der Perspektive des Mütterlichen"

Der Militärputsch von 1973 hatte in Chile Auswirkungen jenseits des gesellschaftspolitischen Bereichs und wurde auf künstlerischer und kultureller Ebene auch als "ästhetischer Putsch" erlebt. Die neo-avantgardistische Escena de Avanzada, die Ende der 1970er-Jahre entstand, wurde als verspätete Reaktion auf dieses Trauma wahrgenommen. Als Konstellation von KünstlerInnen im Umfeld der Theoretikerin Nelly Richard entwickelte sie politische und poetische Strategien, um das totalisierende Narrativ der Junta zu stören. Während wichtige Mitglieder der Avanzada sich durchaus für Feminismus und Frauenrechte interessierten, sind die in dieser Zeit entstandenen Arbeiten meistens in erster Linie als Ausdruck eines Bruchs mit der Vergangenheit gedeutet worden, wie es für die Theorie der Avantgarde typisch ist, und das Gender-Thema blieb zweitranging.        

Neue Ausstellungen wie “Perder la Forma Humana. Una imagen sísmica de los años ochenta en América Latina” (2012-2015) und “Radical Women: Latin American Art, 1960-1985” (2017-2018) haben sich erfolgreich gegen diese historische Auslassung gewendet, indem sie zeigten, dass Künstlerinnen seit den 1960er-Jahren hier eine zentrale Rolle spielten. In meiner Präsentation argumentiere ich weiterhin, dass eine kritische Neubewertung des akzeptierten kämpferischen – und männlichen – Lexikons der Avantgarde nötig ist. Besonders zeige ich auf, dass der subversivste Aspekt der chilenischen Neo-Avantgarde der 1970er- und 1980er-Jahre vielleicht wirklich darin lag, dass sie das "Mütterliche" neu aufstellte, als eine Kraft, die die gesellschaftlichen Bande, die in einem Klima von allgemeinem Misstrauen, Zensur und Furcht unter der Junta stark verletzt worden waren, neu zu weben versuchte. Anhand von Arbeiten von CADA, Diamela Eltit und Las Yeguas del Apocalipsis stelle ich eine neue historische Lesart vor, die das Mütterliche als destabilisierende Kategorie für männliche, heroische und lineare Narrative betrachtet, wie sie militärischen Diskursen und den Diskursen der Avantgarde gleichermaßen zu eigen sind.