Lara Demori

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Über

Dr. Lara Demori, Goethe-Institut-Fellow am Haus der Kunst, promovierte an der Universität Edinburgh mit einer Arbeit über die Künstler Hélio Oiticica und Piero Manzoni, die das Aufkommen postmoderner Kunstpraktiken aus transnationaler Perspektive betrachtet und den Übergang von der Abbildung zur Performance Anfang der 1960er-Jahre untersucht. Sie recherchiert zu dem Kapitel "Postkoloniale Kunst: 1955-1980" für eine diskursiven Ausstellungsreihe und beschäftigt sich derzeit mit der Arbeit einiger weiblicher Latino/a-Künstlerinnen und lateinamerikanischer Künstlerinnen zwischen 1965 und 1985. Sie konzentriert sich dabei vor allem auf das Thema Schwangerschaft.

Lara Demori hat Artikel und Buchkapitel veröffentlicht und an zahlreichen internationalen Konferenzen teilgenommen. 2015 organisierte sie die internationale Konferenz ‘Possibilities of exchange: Experiments in Modern and Contemporary Latin American Art’ in Zusammenarbeit mit The Fruitmarket Gallery, Edinburgh. Am Haus der Kunst organisiert sie das Symposium ‘Decolonizing Third World Feminism: Latin American Women Artists 1960-1980’.

ABSTRACT

Transnationale Einflüsse in Marta María Pérez Bravos Serie Para Concebir (1985-1986)

Marta María Pérez Bravo hat als erste Künstlerin im postrevolutionären Kuba den weiblichen Körper untersucht und dabei ein dichtes Netz kultureller, religiöser und politischer Bezüge gesponnen. Sie bediente sich dafür des Mediums der Fotografie, eines Vermächtnisses der politischen Zeitgeschichte Kubas. Hier beziehe ich mich beispielsweise auf Alberto Korda, der mittels der Fotografie Bilder der Revolution vermittelte und u.a. die kanonischen Porträts von Che Guevara und Fidel Castro schuf.

In ähnlich dokumentarischer Weise hat auch Pérez Bravo die Fotografie verwendet, um ihre Schwangerschaft – in Para concebir (1985-1986) – sowie Geburt, Stillen und Kindererziehung – in Recuerdo de nuestro bebé (1986-1987) – darzustellen. Wie der Wissenschaftler Gerardo Mosquera festgestellt hat, ist die Fotografie No matar, nir ver matar animales (Töte nicht und schau nicht zu, wenn Tiere getötet werden, 1986) aus der Serie Para concebir, auf der die Künstlerin ein Messer gegen ihren schwangeren Bauch erhebt, vielleicht die berühmteste kubanische Fotografie nach den Bildern von Che Guevara.

Mein Vortrag geht der anti-romantischen Ikonografie der Schwangerschaft in den erwähnten Serien von Marta María Pérez Bravo nach und zeigt ihren Willen, durch die Erzählung einer persönlichen Erfahrung und das ungeschöntes Abbilden des schwangeren Körpers mythische Glaubensinhalte aus den afrokubanischen Religionen Santería und Palo Monte zu vermitteln. Gleichzeitig möchte ich Pérez Bravos Kunst wieder mit der Geschichte der kubanischen Fotografie im 20. Jahrhundert verbinden.