Giulia Lamoni

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Über

Giulia Lamoni ist FCT Wissenschaftlerin am Instituto de História de Arte an der Nova-Universität in Lissabon sowie Gastdozentin an der dortigen kunsthistorischen Fakultät. Sie erhielt den PhD in Ästhetik/Künste und Wissenschaften der Künste an der Universität Paris I/Panthéon Sorbonne. In ihren Forschungen untersucht sie die Artikulationen zwischen Kunst und Feminismus in Portugal und Brasilien in den 1960er- und 1970er-Jahren, die Beziehungen zwischen zeitgenössischer Kunst und Migrationsprozessen sowie die Herausbildung transnationaler künstlerischer Netzwerke und heterogener Formen der Zusammenarbeit und des Dialogs von den 1960er-Jahren bis heute. Ihre Texte sind in Zeitschriften wie Third Text, n.paradoxa: international feminist art journal und Manifesta Journal: Around Curatorial Practices erschienen sowie in Ausstellungskatalogen und Büchern von Museen, darunter das Centro de Arte Moderno/Gulbenkian Foundation, das Centre Pompidou und die Tate Modern. In Forschung und Lehre interessiert sie sich für kollaborative Formen des Kuratierens, die die Grenzen zwischen wissenschaftlicher und kuratorischer Arbeit erforschen und interessante Formen gegenseitiger Beeinflussung schaffen. Zusammen mit Margarida Brito Alves und Filomena Serra kuratierte sie die Ausstellung Co-Habitar in der Casa da América Latina in Lissabon (Oktober 2016 – Januar 2017) sowie 2017 als alleinige Kuratorin die Einzelausstellung der Künstlerin Eugénia Mussa an der Galeria Quadrum in Lissabon. Im gleichen Jahr war sie Brooks International Fellow an der Delfina Foundation und der Tate Modern in London. Sie ko-kuratierte die Forschungslinie Kulturelle Transfers in globaler Perspektive am Instituto de História de Arte an der Nova-Universtät in Lissabon und ist Mitglied des Projekts Decentralized Modernities: Art, politics and counterculture in the transatlantic axis during the Cold War MODE(S) (HAR2017-82755-P).

ABSTRACT

"KünstlerInnen als radikale PädagogInnen in Lateinamerika (1960s-1970s): Ein feministisches Forschungsprojekt"

Das Forschungsprojekt “Artists as Radical Educators in Latin America (1960s-1970s)”, das von der Fundação para a Ciência e Tecnologia in Portugal finanziert wird, will die Beziehung zwischen Kunst und experimenteller Pädagogik in von Künstlerinnen geleiteten Räumen in Lateinamerika in den späten 1960er- und den 1970er-Jahren untersuchen. Pädagogische Projekte von KünstlerInnen entstanden als radikaler Schauplatz individueller und kollektiver Emanzipation in einer Zeit politischer Unterdrückung und wurden oft als symbolischer Bruch mit dem institutionellen Raum des Klassenzimmers oder Museums gegründet. Sie entwickelten sich in verschiedene, heterogene Richtungen. Auf der Basis von Archivrecherche und Interviews untersucht das Projekt eine Reihe von kollektiven Erfahrungen, die die Grenzen zwischen künstlerischer Praxis und Lehre und zwischen individueller und kollektiver Arbeit verwischten und dabei eine breitere, demokratischere Definition von Kreativität betonten sowie die Fähigkeit von Kunst, in gesellschaftliche und psychologische Prozesse einzugreifen.

Obwohl das Projekt erst im Herbst 2018 beginnen wird, wollen wir eine Vorab-Untersuchung vorstellen, die seine methodologischen Grundlagen sowohl im Bereich der zeitgenössischen Kunstgeschichte als auch im Bereich der Geschichte der Pädagogik diskutiert. Anhand einiger pädagogischer Kunstprojekte in Argentinien, Brasilien, Chile und Kolumbien in den 1970er-Jahren setzen wir uns mit der Beziehung zwischen künstlerischer Arbeit, Wissensvermittlung und Politik auseinander sowie mit möglichen Verbindungen zu den Schriften und Konzepten von Paulo Freire und ihren transnationalen Nachwirkungen. Da die Rolle von Künstlerinnen als Pädagoginnen im Mittelpunkt unserer Interesses steht, betrachten wir die feministische Theorie als weitere Achse der emanzipatorischen Anliegen dieser Zeit.