Dumb Type

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Geboren
1984, Kyoto City University of Arts, Japan
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Über

Dumb Type wurden 1984 von desillusionierten Studierenden der Kyoto City University of Arts gegründet. Die Gründer*innen kamen aus verschiedenen Bereichen unter anderem aus der bildenden Kunst, der Architektur, der Musik, der Informatik, der Literatur, dem Schauspiel, dem Tanz und anderen Formen der darstellenden Kunst. Sie suchten nach einer Plattform, auf der sich eine wirklich gemeinschaftliche, interdisziplinäre Kunstpraxis entwickeln konnte. Die Performances und Installationen, die daraus hervorgingen, beziehen Aspekte von Drag, Pantomime, Tanz, MTV, Hollywood, experimentellem Theater, elektronischem Sound und interaktiven Installationen mit ein. Sie haben zu verschiedenen Zeitpunkten als Inkubator für Künstler*innen wie Teiji Furuhashi, Shiro Takatani, Takamine Tadasu, Ryuichi Sakamoto, Ryoji Ikeda, Norico Sunayama, Takao Kawaguchi, mamieMu, Bubu de la Madeleine und die OK Girls gedient. In ihrer künstlerischen Praxis untersuchen Dumb Type den Einsatz von Medien und des menschlichen Körpers, aber auch die Beziehung zwischen Kunstobjekt und Publikum.

Der Name der Gruppe bezieht sich auf die unkritische Offenheit, mit der die japanische Gesellschaft während der sogenannten „Wirtschaftsblase “ in den 1980er Jahren westliche Einflüsse annahm, was eine oberflächliche von Massenmedien, Konsum und Technologie gesteuerte, später auch als „superflat“ bezeichnete Gesellschaft hervorbrachte. In dieser Gesellschaft, deren Einflussbereich sich auch aufgrund der in Japan entwickelten Technologien auf dem gesamten Globus ausgebreitet hat, werden Personen „mit Informationen überschüttet, ohne etwas zu begreifen“. Das „dumb“ in Dumb Type spielt damit auf die doppelte Bedeutung des englischen Wortes an: stumm und dumm.

Nach einer Reihe kleiner, ortsspezifischer Interventionen und Performances in Japan, verhalf die Performance 036 Pleasure Life (später umgestaltet und umbenannt in Pleasure Life, 1987-89), Dumb Type zu internationalem Erfolg. Die dystopische Inszenierung einer zeitgenössischen Stadt, die von technologischen Systemen in den Wahnsinn getrieben wird, erhielt auf mehreren großen internationalen Performance-Festivals viel Lob von der Kritik. Nachfolgende Performances wurden technisch und konzeptionell komplexer. Sie integrierten Performance, Installation, Video, Ton sowie gedrucktes Material in immersive Environments, in denen das Publikum in die Handlungen auf der Bühne miteinbezogen wird. In pH (1990–93) etwa saßen die Zuschauer*innen an den Rändern einer weißen Linoleumbühne, die ihnen einen nahezu panoptischen Blick auf die Darstellenden darunter bot. Noch radikaler war die Performance S/N (1992–96), in welcher sich Teiji Furuhashi, einer der Gründer von Dumb Type in einem ungewöhnlichen Live-Talkshow-Format als schwul und HIV-positiv outete und damit die Grenze zwischen Fiktion und Realität in Frage stellte. Nach Furuhashis tragischem Tod im Jahr 1995 produzierten Dumb Type die Arbeit OR (1997– 99). Darin reflektierten sie sowohl über verschiedene religiöse, philosophische, medizinische, kulturelle oder emotionale Binaritäten, die unser Leben bestimmen – etwa „Leben“ und „Tod“ – als auch über den zunehmenden Einsatz von Technologien beim Unterscheiden dieser Binaritäten. Spätere Performances bauten auf diesen Ideen auf. Sie erforschten die Kluft zwischen realen und künstlichen Erinnerungen (Memorandum, 1999–2003) und dachten mit melancholischem Spott über die Allgegenwart und gleichzeitige Begrenztheit von Informationen und deren Auswirkung auf unsere räumliche Wahrnehmung nach (Voyage, 2002–09). Neben der Arbeit im Theater kreierten Dumb Type ab Mitte der 1990er Jahre auch Installationen für verschiedene Kunsträume. Darunter die immersive Multikanal-Installation The Lovers (1994), die vom New Yorker Museum of Modern Art erworben wurde, sowie museale Adaptionen und Neuinterpretationen bereits bestehender Performances (OR, 1997; Voyages, 2004; MOMRAMDUM OR VOYAGE, 2014; pH, 2018).

In jüngerer Zeit hat die Gruppe eine Reihe neuer Installationen geschaffen, deren Form und Inhalt an die sozialen und politischen Besonderheiten ihres Ausstellungsraumes angepasst werden können (Playback, 1989–2022; Trace/React II, 2020). Parallel zu ihrer Ausstellung im Haus der Kunst vertreten Dumb Type Japan auf der 59. Biennale in Venedig, für die sie eine neue, ortsspezifische Auftragsarbeit für den ikonischen Pavillon von Takamasa Yoshizaka geschaffen haben.

Verwandte Ausstellung:

Dumb Type

Ausstellung, bis 11.9.22