Jacolby Satterwhite, We Are In Hell When We Hurt Each Other, 2020 Installationsansicht, Haus der Kunst, 2021, Foto: Maximilian Geuter

Jacolby Satterwhite

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Die Ausstellung ist beendet.

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Jacolby Satterwhites (*1985, Columbia, South Carolina) immersive Videoinstallationen erschaffen mythische Welten, in denen sich Performance, Tanz, Malerei, Zeichnung und Musik vereinen. Im Zentrum des von vielfältigen Avataren und fantastischen Wesen bevölkerten, sich ständig wandelnden Kosmos steht der Körper des Künstlers selbst. Musikvideos, Videospiele, nicht-westliche Rituale, Club-Kultur, westliche Kunstgeschichte und zeitgenössischer Tanz sind Satterwhite Quelle und Inspiration. Zudem webt er aus den Bildern, Gedichten und Gesangsaufnahmen seiner Mutter, Patricia Satterwhite, kaleidoskopische, utopische Visionen. Sie hinterfragen Ungerechtigkeit und feiern queere Lebensformen und Vielfalt.

Birds in Paradise bildet den dritten Akt der Überblicksausstellung über Jacolby Satterwhites Werk in der Mittelhalle des Haus der Kunst. Die Installation setzt die Ausstellungsreihe fort, die mit We Are In Hell When We Hurt Each Other (2020, präsentiert von Juni bis Oktober 2021) und Shrines (2020, präsentiert von Oktober 2021 bis Februar 2022) begonnen wurde.

In der linken Projektion des Diptychons Birds in Paradise (2019) sehen wir eine computeranimierte Szenerie, in der ein Schwarzer Cowboy auf einem metallischen, geflügelten Pferd über einem Kolosseum schwebt. Die rechte Seite zeigt Filmaufnahmen des Künstlers selbst bei einem maritimen Ritual. Patricia Satterwhites Worte „Born to be free“ überlagern sich mit EDM-Motiven. Die Szenen, die sich zunächst separat zu entfalten scheinen, beginnen sich nach und nach zu überschneiden und in einen Dialog zu treten. Das Metallpferd projiziert Auszüge aus dem Ritual der Meerestaufe, während unter dem auf einer Brücke performenden Künstler fliegende Fantasiewesen auftauchen. In einem hypnotischen Finale werden urbane Architekturen aus der Vogelperspektive neben einen durch rosa Neonröhren definierten Raum gestellt.  

Rotationen und endlose Wiederholungen sind die zentralen visuellen und akustischen Gestaltungsmittel von Birds in Paradise. Dabei werden konventionelle Sichtachsen und Klischees radikal in Frage gestellt. Einzelne, sich drehende Körper, wallende Menschenansammlungen in ausgefeilten Choreografien, zirkulierende architektonische Module und rhythmische Sätze kreieren ein komplexes Kunstwerk.  

Jacolby Satterwhite beschreibt Birds in Paradise als „Reflektionen über die Wiedergeburt und Neu-Justierung des Ich, als ein neues Zu-Sich-Finden“. Das „Video spielt mit Zirkularität und Ritualen: die rotierende Diskokugel, Kornkreise, das Kolosseum. Später dann die Performance-Riten der Kirche. Ein anderer schwarzer Mann umhüllt mich, als wäre er der Orbit meines Körpers. Es gibt weitere Anspielungen auf die Praxis der Maskerade der Yorùbá* Gẹlẹdẹ, wie die Yorùbá-Folklore der Mami Wata auf diesem Kanal. Mami Wata kommt, um mich zu baden, zu erneuern und zurück in den Kreislauf zu schicken.”     

*Die Yorùbá sind eine westafrikanische, ethnische Volksgruppe von etwa 45 Millionen Menschen, die hauptsächlich in Nigeria, Benin und Togo leben. In der Gẹlẹdẹ-Maskerade verbinden sich Kunst, rituelle Tänze und die Darstellung bunter Masken zu einer religiösen Zeremonie im öffentlichen Raum. Der meist weibliche Wassergeist Mami Wata (Mama Wasser) wird in der afrikanischen Diaspora verehrt.  


Die Ausstellung findet in der Mittelhalle des Haus der Kunst statt. Der Eintritt ist frei.