Fujiko Nakaya. Nebel Leben. Installationsanischt. Haus der Kunst. 2022. Foto: Andrea Rossetti

Fujiko Nakaya. Nebel Leben

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„Nebel lässt sichtbare Dinge unsichtbar werden, während unsichtbare – wie Wind – sichtbar werden.“ Fujiko Nakaya

Die Nebelskulpturen von Fujiko Nakaya bestehen vollständig aus Wasser. Sie fordern traditionelle Vorstellungen von Skulptur heraus, indem sie sich je nach Temperatur, Wind und Atmosphäre in jedem Augenblick verändern.

„Fujiko Nakaya. Nebel Leben“ ist die erste umfassende Werkschau von Fujiko Nakaya (*1933 in Sapporo, Japan) außerhalb Japans. Nakaya wurde in den 1960er Jahren als Mitglied des New Yorker Kollektivs Experiments in Arts and Technology (E.A.T.) bekannt und erlangte internationales Renommee für ihre immersiven Nebelkunstwerke, die sich über die traditionellen Konventionen der Bildhauerei hinwegsetzten, indem sie temporäre, grenzenlose Transformationen erzeugten, die das Publikum mit einbeziehen und der Atmosphäre Gestalt verliehen. Schon früh beschäftigte sich Nakaya mit ökologischen Fragen und arbeitete mit Wasser und Luft – Elemente, die angesichts der Klimakrise eine besondere Bedeutung gewonnen haben. Von den frühen Gemälden der Künstlerin bis hin zu ihren Nebelskulpturen, Ein-Kanal-Videos, Installationen und Dokumentationen, die Nakayas kulturelle und soziale Bezüge aufzeigen, bietet diese erlebnisorientierte Ausstellung einen umfassenden Überblick über eine der bedeutendsten Künstlerinnen Japans.

Munich Fog (Fogfall) #10865/II, die Skulptur im Außenraum an der Ostseite des Haus der Kunst, sowie Munich Fog (Wave), #10865/I sind neue, für die Ausstellung entwickelte Arbeiten. Sie sind als Performance angelegt, an denen Nebel, Raum und das Publikum teilhaben. In Nakayas Arbeit steht Wasser als skulpturales Element und Metapher für endlose zeitliche Prozesse, um materielle Realitäten und medial erzeugte Illusionen zu verknüpfen. Der interdisziplinäre Ansatz der Künstlerin zeigt sich auch in den Titeln ihrer Nebelarbeiten: Die darin angegebene Zahlenkombination bezieht sich auf die nächstgelegene Wetterstation, deren Daten die Planung der jeweiligen Installation beeinflussen.


Ein ganzer Raum lokalisiert Nakayas Schaffen in einem Multiversum historischer Ereignisse. Er ist ihrem frühen Umweltbewusstsein und der Entwicklung ihres Werkes gewidmet, das Aspekte ostasiatischer und westlicher Kunstströmungen aufgreift. Die Galerie im Obergeschoss vertieft die Kontextualisierung ihrer Arbeit und zeigt eine Auswahl pädagogischer Wissenschaftsfilme der Produktionsfirma Iwanami, die von dem Vater der Künstlerin, dem Physiker Ukichiro Nakaya, gegründet wurde. Neben frühen Gemälden und Skizzen der Künstlerin sind in diesem Raum Dokumente zu sehen, die einen Einblick in seine Forschung geben, die Fujiko Nakayas Zugang zur Welt, ihrer Materie und Mediatisierung maßgeblich beeinflusst hat. (Weitere Informationen im digitalen Ausstellungsguide.)    

Nakayas Gemälde und Zeichnungen zeugen von einer Sehweise, die von wissenschaftlich exakter Beobachtung geprägt ist. Für die Künstlerin ist Beobachtung das Grundprinzip sowohl von Kunst als auch von Wissenschaft. Die Gemälde ähneln abstrakten Landschaften und verweisen auf das Interesse der Künstlerin an zyklischen Prozessen von Zerfall und der Entstehung neuen Lebens. Die gemalten Wolken und biomorphen Formen bilden dabei eine wesentliche Verbindung zu Nakayas Praxis der bewegten Bilder und ihren Nebelskulpturen.    


Die detaillierte Beobachtung von Naturphänomenen und scheinbar kleinen, alltäglichen Gesten spielt eine zentrale Rolle in ihrem Werk. Ihre Videos enthalten oft Echtzeitaufnahmen und ähneln Experimenten, die unsere Wahrnehmungsmuster in Frage stellen. Nakaya nutzte Video als Mittel einer direkteren Kommunikation durch subjektive und analytische Dokumentation. Neben ihren Videoskulpturen und –installationen führte sie verschiedene sogenannte „Kommunikationsprojekte“ durch, in denen sie sozial engagierte Gruppen interviewte und ihre Arbeit dokumentierte. Nakaya war Mitgründerin des Künstlerkollektivs Video Hiroba und eröffnete 1980 mit SCAN die erste Galerie für Video in Japan. (Weitere Informationen im digitalen Ausstellungsguide.)    

Fujiko Nakaya ist eine visionäre Künstlerin, deren Arbeit nicht nur von ökologischem Bewusstsein angetrieben wird, sondern die sich auch von den etablierten Traditionen der ostasiatischen und westlichen Bildhauerei abhebt. In ihrem Werk klingt die Geschichte ihrer Zeit mit, ohne sich den Bewegungen Gutai, Mono-Ha oder den europäisch-nordamerikanischen Strömungen von Anti-Form, Process Art und Post-Minimalismus unterzuordnen. Ihr Werk lässt die Grenzen zwischen Wissenschaft, Kunst und Technologie verschwimmen, und lädt durch direkte körperliche Erfahrung dazu ein, die Beziehung von Mensch und Umwelt neu zu denken.

Kuratiert von: Andrea Lissoni, Sarah Johanna Theurer 

Ausstellungsgestaltung: Hanna Kriegleder
Technische Installation Nebel: Dutrie Sa
Lichtdesign: Charlotte Marr
Grafik: Access All Areas 
Restaurierung: Catrin Paul, Isabel Strubel
Digitalisierung: Franz Bergmann
Schnitt: Patrik Thomas 
Video- und Soundinstallation: We Are Video / Magic
Ausstellungsarchitektur: Fussboden Ketterle / Schlosserei Strobel

Assistenz für Recherche: Mio Harada, Eduard Weidenhammer
Bildrecherche: Camilla Langnickel 
Projektassistenz: Lydia Korndörfer 

Dank an: Fujiko Nakaya, Shiro Yamamoto and Sayaka Shimada (technical support, fog sculptures), Yoshiko Eguchi (Nakaya Ukichiro Foundation),  Yoshinori Furukawa, Kenjiin Miwa, Yuji Morioka, Nae Morita, Hiroko Tasaka, Haden Guest (Harvard Film Archive), Anne-Marie Duguet, Paolo Ghislandi, Tobias Hauke, Emma Enderby, und das Team des Haus der Kunst.

Die Präsentation wissenschaftlicher Objekte und Dokumente von Ukichiro Nakaya wurde durch die großzügige Zusammenarbeit mit der Künstlerin Fujiko Nakaya und der Nakaya Ukichiro Foundation ermöglicht, insbesondere durch Yoshiko Eguchi (Koordination und Dokumentenerwerb, Nakaya Ukichiro Stiftung), Nae Morita (Unterstützung bei der Planung und Koordination), Hiroko Tasaka (Unterstützung bei der Kommunikation), Junko Hara (Assistenz beim Dokumentenerwerb, Processart Inc.), Naomi Yamanaga und Noriko Koshida (Zusammenarbeit beim Film Nebel in Chisima und Hokkaido) und Machiko Ishikawa, dem Nakaya Ukichiro Museum für Schnee und Eis und dem Institut für Tieftemperaturwissenschaft, Universität Hokkaido.

Anlässlich ihrer Ausstellungen organisieren die Münchner Institutionen Lenbachhaus, Haus der Kunst und Museum Brandhorst ein gemeinsames Veranstaltungswochenende: Technobodies legt den Fokus auf den Einfluss neuer Technologien auf die bildende Kunst und Musik.