Tilo Schulz, Installationsansicht Haus der Kunst, 2014. Foto: Maximilian Geuter

Kapsel 01: Tilo Schulz

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Die Ausstellung ist beendet.

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Das Haus der Kunst hat ein neues Format geschaffen, das sich auf einen  Ausstellungsraum konzentriert und neue Entwicklungen unter jungen, international aufstrebenden Künstlern untersucht. Ziel dieser Serie von Kapsel-Ausstellungen ist, das Publikum für die Produktion eines neuen Werks zu interessieren, geschaffen von einem Künstler, der vor seinem künstlerischen Durchbruch und damit an einem bedeutenden Punkt seiner Laufbahn steht. 

Ausgehend von Architektur und Narrativ, hat Tilo Schulz für die Kapsel 01 ein neues szenisches Stück geschrieben. Der Text wurde von Schauspielern vertont und ist Bestandteil einer raumgreifenden Installation, die die Architektur wesentlich modifiziert und den Besucher als Akteur aufnimmt. Mit direktem Bezug auf die Maße des fast 200 qm großen Ausstellungssaals hat Tilo Schulz eine begehbare Holzkonstruktion in derselben Größe gebaut und diese – um 18 Grad gedreht – im Saal installiert. Durch die Drehung geht ein Stück des eingefügten Raums hinter den ursprünglichen Wänden verloren und existiert somit nur in der Vorstellung des Betrachters – als verdrängter Raum. Die Installation erstreckt sich vor dem Besucher wie ein begehbares Bild. Beim Betreten werden an verschiedenen Stellen malerische Eingriffe sichtbar, und ein literarischer Text ist zu hören. Mit ihm gibt Tilo Schulz dem verdrängten Raum, der durch die Drehung einen Teil von sich selbst verloren hat, eine Stimme. Der Text greift unterschiedliche Arten von Bewegung und Verdrängung als etwas elementar Menschliches auf und animiert den Besucher, die Verbindung zu geschichtlichen Ereignissen herzustellen und ein Bewusstsein für die eigene Bewegung und deren Grenzen zu gewinnen.

In seiner Doppelrolle als Künstler und Autor führt Tilo Schulz mit seiner Installation mehrere künstlerische Anliegen zusammen: Er schafft mit einfachen Materialien einen Raum, der optisch, physisch und akustisch erfahrbar ist und als Metapher für Verdrängung, Grenzen und Kontrolle fungiert. Gleichzeitig existiert dieser Raum tatsächlich, d.h. der Besucher kann ihn durchschreiten und erleben wie eine städtische Umgebung, in der sich verschiedene Blickwinkel und Begegnungen mit anderen ergeben.